"Die Philosophie trainiert einen darin, die Dinge grundsätzlich in Frage zu stellen" – Interview mit Alumna und Gründerin Pia Frey

Alumnae und Alumni der Hochschule für Philosophie München arbeiten erfolgreich in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, Kultur und Kirche. In der Reihe „Alumni im Porträt“ sprechen wir mit ausgewählten Persönlichkeiten über ihre Zeit an der HFPH und ihre heutige Tätigkeit. Diesmal im Gespräch: Pia Frey, Gründerin von Opinary.

Pia Frey, Copyright: privat

Bestimmt haben auch Sie beim Lesen eines Online-Artikels der Zeitschrift Ihrer Wahl schon einmal diesen kleinen "Tacho" bewegt, um sich zu einer Meinungsumfrage zu positionieren und gleichzeitig herauszufinden, wo Sie mit Ihrer Haltung im Vergleich zu der Meinungsverteilung der Leserschaft stehen: ein Umfragetool der Firma Opinary. Pia Frey, Alumna der Hochschule für Philosophie München (HFPH) ist Mit-Gründerin von Opinary. Die studierte Philosophin und Journalistin hat damit nicht nur den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und die Meinungen anderer zu Ihrem Beruf gemacht, sie ist zudem auch erfolgreiche Autorin von Flipbüchern, wie dem "Moralomat", und Podcasterin.

Wir haben mit unserer Alumna über Ihren Weg vom Philosophie-Studium hin zu der Gründung eines Unternehmens gesprochen.

 

Wie kommt man von der Philosophie zum Gründen?

Für manche kommt zuerst das Ziel, zu gründen – und dann sondieren sie sehr viele Ideen, bis sie die vielversprechendste gefunden haben. Mein Weg war andersherum. Da war eine Idee, die ich hatte, während ich an der Journalistenschule war, die dann zu einem Unternehmen wurde. Die Philosophie trainiert einen darin, die Dinge grundsätzlich in Frage zu stellen, tiefgreifend zu analysieren, und neue Gedankenketten zu bauen. Irgendjemand hat das "ohne Geländer denken" genannt. Für manche Marktlücken sind das Werkzeuge, die sehr hilfreich sein können.

 

Sie haben die Meinung anderer zu Ihrem Beruf gemacht. Würden Sie sagen, die philosophische Ausbildung, in der man lernt, seinen eigenen Standpunkt zu entwickeln, hat dazu beigetragen, beruflich bei der Meinung anzusetzen?

Ich selber habe oft leider gar keine klare, eindeutige Meinung. Für mich steht im Kern von Opinary viel mehr die Frage, und ich ziehe eine große Befriedigung daraus, dass wir mit unserer Technologie täglich viele Millionen Menschen mit einer Frage ansprechen. Die Jahre an der HFPH haben definitiv eine intensive Auseinandersetzung mit Fragen geprägt. Daraus entstand auch noch während meines Studiums die Idee für den "Sinnfragenkombinator" – der meine temporäre Verzweiflung mit Fragen in Endlosschleife manifestierte.

 

Wenn man Leser*innen mit Ihren Umfragetools die richtigen Fragen stellt, lässt sich so einiges herausfinden. Welche Fragen sollten sich Ihrer Meinung nach Philosophie-Student*innen stellen?

Das ist eine schwierige Frage! Ich finde, das Philosophie-Studium wirft von ganz alleine so derartig großformatige Fragen auf, dass ich hier gar nicht noch mehr zumuten möchte. Vielleicht nur das: manchmal ist die Frage: "Wo will ich hin?" ein besserer Wegweiser als "Was will ich machen?"

 

Mit Ihren Flipbüchern, wie dem "Moralomat" oder dem "Sinnfragenkombinator" geben Sie der Leserschaft offensichtlich philosophische Denkanstöße. Inwiefern beeinflusst die Philosophie Ihre Tätigkeit auch über die schriftstellerische Arbeit hinaus?

Der Großteil meines Alltags besteht darin, mit Menschen umzugehen. Da ist unser Opinary-Team mit ca. 35 Mitarbeiter*innen, Kund*innen, Investor*innen und viele mehr. Oft ist das im Kern ein völlig transaktionaler Umgang: man möchte, dass die andere Person etwas tut und bietet Geld oder eine Dienstleistung, damit es passiert. Ein Satz ist mir aus meinem Studium hängen geblieben: "Der Mensch ist immer Zweck an sich, und nie bloß Mittel". Das beeinflusst immer noch in der Art, wie ich versuche mit diesen ganzen Menschen umzugehen. Sie bei aller Transaktionalität nie "benutzen” zu wollen.

 

Was ist Ihre Motivation, mit diesen Flipbüchern, Philosophie in den Alltag der Leser*innen zu integrieren?

Ich finde es schön, wenn Menschen auf diesem Weg spielerisch ins Nachdenken oder in ein Gespräch kommen. Mich freut besonders, dass sie bei vielen Leuten auf dem Klo stehen: wie schön, Menschen auf dem Klo, mitten im Alltag einen ganz kleinen Denkanstoß zu geben. Ich glaube die einzige Motivation dahinter ist: mich macht das glücklich.

 

Welchen Rat würden Sie Student*innen geben, die mit der Idee spielen, zu gründen?

Nicht ZU lange nachdenken, sondern auf ganz kleiner Flamme probieren, ob hinter einer Idee mehr stecken könnte.

 

Die HFPH feiert 2025 ihr 100-jähriges Bestehen. Was wünschen Sie Ihrer Alma Mater zu diesem Jubiläum?

Zum Geburtstag wünsche ich der HFPH, dass sie auch im nächsten Jahrhundert viele neugierige, kritische Studentinnen und Studenten darin prägen kann, ihre eigene Haltung und einen Platz in der Welt zu finden.