Navigation überspringen

Wiederberufung von Prof. Dr. Julia Inthorn in die Zentrale Ethikkomission

Prof. Dr. Julia Inthorn ist erneut in die Zentrale Ethikkommission der Bundesärztekammer berufen worden.

Porträt Prof. Dr. Julia Inthorn HFPH / A. Futter Fotografie

Prof. Dr.  Julia Inthorn, Professorin für Angewandte Ethik an der Hochschule für Philosophie München (HFPH), ist erneut in die Zentrale Kommission zur Wahrung ethischer Grundsätze in der Medizin und ihren Grenzgebieten bei der Bundesärztekammer (Zentrale Ethikkommission, ZEKO) berufen worden. Diese Entscheidung würdigt ihr langjähriges Engagement und ihre fachliche Expertise im Bereich Medizin- und Gesundheitsethik. In der konstituierenden Sitzung der ZEKO für die elfte Amtsperiode von 2025 bis 2028 im Dezember 2025 wurde Professorin Inthorn erneut als Gremiumsmitglied bestätigt.

Bereits im Dezember 2016 wurde Prof. Dr. Julia Inthorn erstmals zum Mitglied der ZEKO ernannt. In den vergangenen Amtsperioden hat sie seitdem in zahlreichen Arbeitsgruppen zur qualitativen Weiterentwicklung der kuratorischen und programmatischen Inhalte der Kommission beigetragen. Die Beteiligung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der ZEKO stellt sicher, dass ethische Diskussionen nicht nur auf medizinische oder juristische (Fach-)Perspektiven beschränkt bleiben, sondern auch aus der philosophischen Ethik fundiert reflektiert werden. Dies entspricht dem Selbstverständnis der ZEKO als Gremium, das ethische Fragestellungen in ihrer ganzen Bandbreite beleuchtet.

Prof. Dr. Julia Inthorn – zur Person

Die Professorin, die an der HFPH den Lehrstuhl für Angewandte Ethik innehat, forscht vor allem in den Bereichen Medizin‑ und Gesundheitsethik, Theorie und Praxis der Bereichsethiken sowie Ethik und Kommunikation. Inthorns wissenschaftliche Schwerpunkte liegen unter anderem auf den ethischen Herausforderungen in der digitalisierten Gesundheitsversorgung, der Reflexion ärztlicher Entscheidungen im medizinischen Alltag und der Vereinbarkeit von Gesundheit und Gerechtigkeit.

Ihre akademische Laufbahn ist geprägt von einer Verbindung zwischen theoretischen ethischen Fragestellungen und deren Anwendung in der medizinischen Praxis. Bevor sie dem Ruf der HFPH folgte, war sie Direktorin des Zentrums für Gesundheitsethik der Evangelischen Akademie Loccum. Frühere Stationen ihrer Karriere umfassen eine Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethik und Recht in der Medizin, Universität Wien und am Lehrstuhl für Systematische Theologie und Ethik und im Projekt „Klinische Ethik-Komitees: Strukturen ethischer Entscheidungen“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Glückwunsch zur erneuten Berufung 

Mit der erneuten Berufung von Prof. Dr. Julia Inthorn in die Zentrale Ethikkommission setzt die Bundesärztekammer erneut ein deutliches Zeichen für eine enge Verbindung zwischen ethischer Reflexion, medizinischer Praxis und gesellschaftlicher Verantwortung. Ihre Expertise in Angewandter Ethik bereichert die Arbeit der Kommission, und ihre Perspektive wird auch in Zukunft dazu beitragen, aktuelle und kommende ethische Herausforderungen in der Medizin fundiert zu bearbeiten.

Wir gratulieren Prof. Dr. Inthorn herzlich zu ihrer Bestätigung und wünschen ihr weiterhin viel Erfolg und Erfüllung in ihrer verantwortungsvollen Aufgabe, die ethische Dimension medizinischer Entwicklungen gemeinsam mit der ZEKO aktiv mitzugestalten.

Die Zentrale Ethikkommission bei der Bundesärztekammer: Aufgaben und Hintergrund 

Die Zentrale Ethikkommission bei der Bundesärztekammer (ZEKO) ist ein unabhängiges, multidisziplinäres Gremium, das ethische Fragen im Gesundheitswesen analysiert, bewertet und zu ihnen Stellung nimmt. Ihr Vorstand hat die Kommission 1994 eingesetzt, um auf die ethischen Herausforderungen zu reagieren, die der medizinische Fortschritt, technische Innovationen und gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen. Im Juli 1995 nahm sie ihre Arbeit auf.

Die Kommission arbeitet unabhängig und orientiert sich bei ihrer Meinungsbildung an der Werteordnung des Grundgesetzes sowie an den ethischen Grundsätzen der ärztlichen Berufsausübung. Dazu gehören die Achtung der Menschenwürde, der Schutz des Lebens und die Verantwortung der Ärztinnen und Ärzte gegenüber ihren Patientinnen und Patienten.

Stellungnahmen der ZEKO werden primär für die ärztliche Selbstverwaltung erarbeitet, richten sich aber auch an die interessierte Öffentlichkeit und Fachkreise. Sie befassen sich nicht nur mit ethischen Fragen, die aktuell breit diskutiert werden, sondern auch mit solchen Themen, die noch am Anfang der öffentlichen Debatte stehen.


Wichtige Themenfelder der ZEKO 

Ein zentraler Themenbereich ist der ethische Umgang mit digitalen Technologien und künstlicher Intelligenz in der Medizin. Die Kommission untersucht, wie Entscheidungsunterstützungssysteme sinnvoll eingesetzt werden können, ohne die Verantwortung der behandelnden Ärztinnen und Ärzte aufzugeben, und welche Auswirkungen diese Technologien auf die Arzt‑Patient‑Beziehung haben.

Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Sinnhaftigkeit medizinischer Maßnahmen. Dabei geht es um Fragen wie: Wann ist eine Behandlung medizinisch sinnvoll, und wann sollte sie angesichts von Belastungen für die Patientin oder den Patienten unterlassen werden? Die ZEKO gibt hier Orientierung, wie Entscheidungen getroffen werden können, wenn technische Möglichkeiten und persönliches Wohl auseinanderlaufen.

Die ethische Bewertung von Datenverwendung ist ebenfalls ein aktuelles Feld. In Zeiten großer Datenmengen und medizinischer Forschung stellt sich die Frage, wie Gesundheitsdaten genutzt werden können, ohne das Recht auf informationelle Selbstbestimmung zu verletzen. Die Kommission begleitet solche Diskussionen und zeigt langfristige ethische Kriterien für den Umgang mit Daten auf.

Nicht zuletzt beschäftigt sich die ZEKO auch mit ökonomischen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen. In Stellungnahmen wird zum Beispiel reflektiert, wie finanzielle Anreize ärztliche Entscheidungen beeinflussen können und welche Rolle ethische Perspektiven dabei spielen sollten, wenn ökonomische Zwänge in den medizinischen Alltag hineinwirken.

Weitere Artikel