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Gedenken sichtbar machen – Erinnerungstafeln für Opfer des Nationalsozialismus

Am 22. Oktober 2025 wurden vier Gedenktafeln am Eingang der HFPH angebracht. Sie erinnern an Personen, die zwischen 1933 und 1945 in der Münchner Kaulbachstraße 33 lebten, bevor sie Opfer der Verfolgung durch die Nationalsozialisten wurden.

Einweihung der Erinnerungstafeln am Haupteingang der HFPH © Kulturreferat der Landeshauptstadt München, Foto Jonas Nefzger

Gedenktafeln am Eingang der HFPH

 

“Erkennen, denken, erinnern – all das verlangt nach den Verbrechen des Nationalsozialismus deshalb, dass wir uns dem Bösen bewusst sind und dazu angehalten sind, das Böse zu denken. Erinnerung ist keine sentimentale Pflicht, zu der unsere gegenwärtige Geistesgeschichte nur einen formalen Bezug hätte, sondern eine Form moralischer Wachsamkeit: Sie schützt vor dem Vergessen”

⁓ Prof. Dr. Michael Reder, Vizepräsident der HFPH

 

Vier Erinnerungstafeln für Opfer des Nationalsozialismus am Haupteingang der Hochschule für Philosophie München (HFPH) repräsentieren nun eindrücklich, dass akademische Institutionen nicht nur Orte der Forschung und Lehre, sondern auch Orte gesellschaftlicher Verantwortung sind. Die Wandtafeln, die am 22.10.2025 im Eingangsbereich der Hochschule auf Initiative des Projekts „Erinnerungszeichen“  des Kulturreferats der Landeshauptstadt München angebracht wurden, erinnern an vier Menschen, die zwischen 1933 und 1945 Opfer der Verfolgung durch die Nationalsozialisten wurden: Agathe van Wien, Anneliese Nora van Wien, Klaus-Robert van Wien und Alice Jaffé.

Alle vier haben zur Zeit des Nationalsozialismus in der Kaulbachstraße 33, dem heutigen Gebäude der Hochschule für Philosophie München, gewohnt und gelebt. Die Biografien und Schicksale der vier Personen wurden von Mitgliedern des Vereins „ErinnerungsWerkstatt München e.V.“ recherchiert. An der Anbringung der Tafeln nahm auch der Vizepräsident der HFPH, Prof. Dr. Michael Reder, teil.

Die Tafeln stehen im Kontext einer breiteren Erinnerungskultur im Münchner Stadtraum. Auf diese Weise wird den heute meist vergessenen Opfern des Nationalsozialismus ein Platz in unserer Stadtgesellschaft zurückgegeben.

Die Platzierung der Tafeln im Eingangsbereich hält die Erinnerung an die Opfer im Hochschulalltag der Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden sowie der Besucherinnen und Besucher der Hochschule dauerhaft präsent. Zugleich verweist sie darauf, dass historisches Bewusstsein nicht allein durch wissenschaftliche Literatur entsteht, sondern auch durch Orte, an denen Geschichte sichtbar bleibt.

 

  • Erinnerungstafeln von Agathe van Wien und Sohn Klaus van Wien © Kulturreferat der Landeshauptstadt München, Foto Jonas Nefzger

    Agathe van Wien, geb. Rosendorff 

    Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, vermietete Agathe van Wien in einer Zehn-Zimmer-Wohnung in der Kaulbachstraße 33 Räume unter. Im Oktober 1941 musste sie die Kaulbachstraße 33 verlassen und in ein „Judenhaus“ in der Richard-Wagner-Straße 11 ziehen. 

     Agathe van Wien | Erinnerungszeichen

     

    Klaus-Robert van Wien: 

    Jüngster Sohn von Bernhard und Agathe van Wien, der im Alter von nur 25 Jahren starb. Die Todesursache ist unbekannt.  

    Robert Klaus van Wien | Erinnerungszeichen

  • Anneliese Nora van Wien 

    Sie war die Tochter des jüdischen Rechtsanwalts Bernhard van Wien und seiner Frau Agathe und lebte seit Juli 1938 in der Kaulbachstraße 33 bei ihrer Mutter, die dort eine Zimmervermietung betrieb. Am 6. September 1938 wurde sie in die Psychiatrische und Nervenklinik der Universität eingeliefert.  

    Anneliese Nora van Wien | Erinnerungszeichen

  • Erinnerungstafel von Alice Jaffé © HFPH/ L. Jeridi

    Alice Jaffé lebte bis 1941 in München in der Kaulbachstraße 33. Warum sie nach München zog und ob sie hier Verwandte oder Freunde hatte, ist bisher unklar.  

    Alice Jaffé | Erinnerungszeichen 

Einer der bekanntesten Studenten der Institution war der Jesuit und Widerstandskämpfer Alfred Delp. Er studierte in den 1920er-Jahren Philosophie an der damaligen Jesuitenhochschule, aus der später die heutige Hochschule hervorging. Während der Zeit des Nationalsozialismus engagierte sich Delp im sogenannten Kreisauer Kreis, der Konzepte für eine politische Neuordnung Deutschlands nach dem Ende der Diktatur entwickelte. 1945 wurde er vom nationalsozialistischen Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Am 02. Februar 2025 fand anlässlich des 80. Todestags von Delp eine Gedenkveranstaltung an der HFPH statt. P. Karl Kern SJ erinnerte in einem Beitrag an den großen Denker.

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