Navigation überspringen

Auftakt zum Seligsprechungsprozess für P. Alfred Delp SJ

Am 2. Februar 2026 eröffnete Kardinal Reinhard Marx im Dom Unserer Lieben Frau in München den offiziellen Seligsprechungsprozess für Pater Alfred Delp SJ – exakt an dessen 81. Todestag. Die Hochschule für Philosophie München (HFPH) war mit einer Delegation von rund zehn Personen vertreten. Delp war Alumnus der HFPH und wurde 1945 von den Nationalsozialisten hingerichtet.

Kardinal Marx unterzeichnet ein Dokument bei der Veranstaltung zur Seligsprechung P. Alfred Delps SJ ©EOM/Lennart Preiss

Eine Feier zwischen Licht und Ernst 

Das Pontifikalamt zu Lichtmess, dem katholischen Fest der Darstellung des Herrn, gab der Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens von P. Alfred Delp SJ am 2. Februar einen besonderen Rahmen. Sr. Britta Müller-Schauenburg CJ, die als Beauftragte für Campus Ministry für das spirituelle Angebot an der HFPH zuständig ist, beschreibt ihre Eindrücke wie folgt:  

 

„(Der Gottesdienst war) sehr feierlich-schön und sehr ernst. Es waren, im Kontext von Lichtmess, auch viele Ordensleute da. Mir schien, man spürte, wie alle sich bewusst sind, wie aktuell das, worum es bei dieser Seligsprechung geht, jetzt wieder ist. Das Leuchtende, auch Heitere von Lichtmess und das Ernste kamen so zusammen. Eine ganz eigene Atmosphäre.“ 

Wer war Alfred Delp? 

Alfred Delp war Jesuit, Alumnus der HFPH und Widerstandskämpfer. Er trat 1926 dem Jesuitenorden bei und positionierte sich gegen das NS-Regime: zum einen in seinen Predigten und journalistischen Artikeln, zum anderen als Mitglied im Kreisauer Kreis. Diese Gruppe von Intellektuellen befasste sich im Widerstand mit einer künftigen Gesellschaftsordnung in Deutschland und Europa nach Kriegsende. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler im Juli 1944 wurde der Jesuit wegen eines Besuches bei Claus Graf von Stauffenberg verhaftet, zum Tode verurteilt und am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Auch in Haft schrieb er weiter, im Warten auf die Vollstreckung des Urteils und zum Teil mit gefesselten Händen. 

Kurz vor seinem Tod schrieb Delp im Gefängnis: „Advent ist einmal eine Zeit der Erschütterung, in der der Mensch wach werden soll zu sich selbst.“  Sr. Britta Müller-Schauenburg CJ führt diese Worte noch weiter: „Das Erlebte ist ihm etwas, das seinen Glauben wach macht, und der Glaube das, was ihn durch das Erleben und Erleiden hindurchträgt.“

„Wenn man die Grunddaten seines Widerstands und Lebensendes zuerst kennen lernt, weil sie am berühmtesten sind, und dann in seinen Schriften liest, ist man überrascht, wie wenig auflehnerisch er ist. Im Gegenteil – ganz einfach fromm und gläubig (…).“

Ein Vorbild auch für junge Menschen

Sr. Britta Müller-Schauenburg CJ beleuchtet auch eine Seite Delps, die im öffentlichen Bild bisher noch wenig Beachtung findet: 

 

„Neben der Frage politischen Widerstands gibt es noch einen Kontext, in dem ich an Delp denke: Jugendarbeit. In einem Film sieht man ihn mit Jugendlichen draußen unterwegs und erfährt, wie gut er sie ansprechen konnte. Dass das ein Hauptberuf sein kann von jemandem, der zum Märtyrer wird, das geht mir nicht aus dem Kopf. Seine Seligsprechung hat auch für junge Gläubige eine Bedeutung.“

Ein Kreis, der sich schließt 

Für die HFPH hat die Prozesseröffnung am 2. Februar 2026  eine besondere Bedeutung.  Auch 2025 hatte man das Jubiläumsjahr der Hochschule bewusst an einem 2. Februar begonnen: mit einem Gedenkakt zum 80. Todestag Delps. Denn der Alumnus Alfred Delp steht für eine Überzeugung, die die Hochschule seit ihrer Gründung trägt:

Denken soll nicht abstrakt bleiben, sondern sich im Handeln zeigen!

Ablauf eines Seligsprechungsverfahrens 

Ein Seligsprechungsverfahren wird in der Regel von einer Diözese oder einem Orden eingeleitet, wenn eine verstorbene Person als glaubwürdiges Vorbild des Glaubens gilt. Zu Beginn wird geprüft, ob ein sogenannter „Ruf der Heiligkeit“ besteht. Danach befasst sich ein kirchliches Verfahren mit dem Leben, den Schriften und dem Wirken der Person. Dabei werden historische Dokumente ausgewertet und Zeuginnen sowie Zeugen befragt.   

Bei Delp begleitet Vizepostulator Pater Toni Witwer SJ das Verfahren vor Ort und brachte es in München zur Eröffnung. Mit der Eröffnung beginnt nun die diözesane Phase: Das ernannte Tribunal prüft historische Dokumente, Schriften und Zeugenberichte systematisch. Danach wandern die Akten zur Endprüfung nach Rom. Dort übernimmt der Generalpostulator beim vatikanischen Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse die römische Phase. 

Die Ergebnisse dieser diözesanen Untersuchung werden anschließend nach Rom an das Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse weitergeleitet. Dort erfolgt eine erneute Prüfung der Unterlagen und Gutachten, bevor eine Entscheidung vorbereitet wird.  

Grundsätzlich gibt es drei mögliche Wege zur Seligsprechung. Entweder wird ein Martyrium nachgewiesen, also dass die Person wegen ihres Glaubens gewaltsam getötet wurde, wie es bei P. Alfred Delp der Fall war. Oder es wird ein heroischer Tugendgrad festgestellt, der ein besonders vorbildhaftes christliches Leben beschreibt. In einem dritten Weg steht die Selbsthingabe des Lebens im Mittelpunkt.  

Bei einem anerkannten Martyrium kann auf den Nachweis eines Wunders verzichtet werden. In allen anderen Fällen ist in der Regel ein bestätigtes Wunder erforderlich, das der Fürsprache der betreffenden Person zugeschrieben wird.  Am Ende entscheidet der Papst über die Seligsprechung. Erst danach kann eine öffentliche kirchliche Verehrung der Person in einem begrenzten Rahmen zugelassen werden.

Weitere Artikel