Im Rahmen der Zeugnisverleihung am 10. April 2026 wurden von pro philosophia e.V. wieder zwei herausragende Abschlussarbeiten ausgezeichnet. Die Preise des Fördervereins würdigen besondere wissenschaftliche Leistungen von Studierenden der HFPH. Der mit 500 Euro dotierte Bachelor-Preis ging an Ben Boehm, den Master-Preis mit einem Preisgeld von 1.000 Euro sicherte sich Sarah Ruf.
pro-philosophia-Bachelor-Preis für Ben Boehm
© HFPH/ J. Haerendel
Die Bachelorarbeit von Ben Boehm trägt den Titel „Narration und Identität: Paul Ricœurs und Jürgen Straubs Beitrag zur Erzählung als Praxis der Selbstsorge“. Sie erforscht, inwiefern das Erzählen von Selbstgeschichten zur Bildung personaler Identität beiträgt und wurde von Prof. Dr. Barbara Schellhammer betreut.
Ausgangspunkt ist die These, dass Identität wesentlich durch das Erzählen von Lebensgeschichten konstituiert wird und sich im Spannungsfeld von Kontinuität und Veränderung stabilisiert.
„Die Frage nach der Identität einer Person ist eng verbunden mit Fragen wie ‚Wer bin ich?‘ oder ‚Wer bist du?‘ […]. Eine Antwort auf diese Identitätsfragen wird in narrativer Form artikuliert. Die befragte Person erzählt sich in einer Geschichte.“
–– Ben Boehm
Die Arbeit macht deutlich, dass narrative Identität eine Art „Dazwischen“ schafft, das weder in zerstreuten Einzelteilen noch in einer starren Einheit aufgeht. Unterschiedliche Erfahrungen werden dabei in einer zusammenhängenden, aber beweglichen Lebensgeschichte verbunden. Erzählen erscheint so als eine Praxis, durch die überhaupt erst ein sinnvoller Zusammenhang des eigenen Lebens entsteht und damit auch die Möglichkeit eines gelingenden Lebens.
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„Herr Boehm hat in seiner interdisziplinär angelegten Arbeit versucht, beides zusammenzubringen: ein philosophisches Verständnis von Identität des französischen Phänomenologen Paul Ricœur mit dem des Bochumer Sozialpsychologen Jürgen Straub.“
pro-philosophia-Master-Preis für Sarah Ruf
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In ihrer Masterarbeit mit dem Titel „Geist als Kritik: Zur Dialektik von Handeln und Struktur“, betreut von Prof. Dr. Michael Reder, untersucht Sarah Ruf die Frage, wie Freiheit unter Bedingungen von Gewohnheit und sozialer Struktur möglich ist:
„In meiner Masterarbeit argumentiere ich mit Hegel für die These, dass praktische Freiheit nur in und durch die Entwicklung von Gewohnheiten wirklich werden kann.“
–– Sarah Ruf
Die Arbeit zeigt, dass praktische Freiheit erst durch die Einübung von Gewohnheiten entsteht, die als „zweite Natur“ unser Handeln prägen. Gegen kritische Positionen wird – unter anderem mit Andreja Novakovic – betont, dass Gewohnheiten nicht bloß blind machen, sondern auch Reflexion und Kritik ermöglichen. Besonders das Scheitern an solchen Gewohnheiten erweist sich dabei als aufschlussreich, weil es Prozesse der Selbstverständigung und Veränderung anstößt.
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„Eine Arbeit zu würdigen, bei der man als Betreuer früh merkt, dass sich qualitativ ein äußerst reflektierter, eigenständiger und für die Philosophie insgesamt wegweisender Gedanke entwickelt, den man betreuen darf, ist eine besondere Freude.“